Brand, Geist, Likör & Spirituose – was ist der Unterschied?

Brand, Geist, Likör, Spirituose – wer vor einem gut gefüllten Spirituosenregal steht, begegnet schnell einer ganzen Reihe unterschiedlicher Bezeichnungen. Aber was bedeuten sie eigentlich? Und worin unterscheidet sich ein Brand von einem Geist oder einem Likör?

Die kurze Antwort: „Spirituose“ ist der Oberbegriff. Brand, Geist und Likör unterscheiden sich vor allem darin, wie sie hergestellt werden und woher ihr Geschmack stammt.

Was ist eine Spirituose?

Eine Spirituose ist zunächst einmal ein alkoholisches Getränk mit bestimmten gesetzlichen Anforderungen. Der Begriff sagt aber noch wenig darüber aus, wie das Getränk hergestellt wurde.

Whisky, Rum, Gin, Obstbrand oder Likör sind beispielsweise alles Spirituosen – entstehen aber auf ganz unterschiedliche Weise.

Besonders interessant wird es bei den Begriffen Brand, Geist und Likör. Denn obwohl die fertigen Getränke auf den ersten Blick ähnlich aussehen können, steckt dahinter jeweils ein anderes Herstellungsverfahren.

Was ist ein Brand?

Bei einem Brand entsteht der Alkohol aus dem verwendeten Rohstoff selbst.

Dafür wird der Rohstoff zunächst verarbeitet und eine sogenannte Maische hergestellt. Die darin enthaltenen vergärbaren Bestandteile werden mithilfe von Hefen zu Alkohol vergoren. Erst anschließend wird die entstandene Maische destilliert – oder, wie man umgangssprachlich sagt, gebrannt.

Bei einem Obstbrand stammt der Alkohol beispielsweise aus den vergorenen Früchten.

Vereinfacht sieht die Herstellung so aus:

Rohstoff → Maische → Gärung → Destillation → Brand

Das Entscheidende ist also: Der Rohstoff liefert nicht nur das Aroma, sondern ist Teil des eigentlichen Gär- und Herstellungsprozesses.

Neben Obstbränden, sind auch Whisky und Rum technische Brände.

Was ist ein Geist?

Ein Geist entsteht anders.

Hier wird der Ausgangsstoff üblicherweise nicht selbst zu Alkohol vergoren. Stattdessen werden beispielsweise Früchte, Kräuter oder andere aromatische Rohstoffe in bereits vorhandenen Neutralalkohol eingelegt. Diesen Vorgang nennt man Mazeration.

Der Alkohol nimmt dabei die Aromastoffe des Rohstoffs auf. Anschließend wird die Mischung destilliert.

Vereinfacht:

Rohstoff + Neutralalkohol → Mazeration → Destillation → Geist

Ein bekanntes Beispiel ist Himbeergeist. Himbeeren enthalten vergleichsweise wenig vergärbaren Zucker. Deshalb eignet sich die Herstellung als Geist besonders gut, um ihre charakteristischen Aromen in eine Spirituose zu bringen.

Der wesentliche Unterschied zum Brand liegt also darin, woher der Alkohol kommt.

Beim Brand entsteht er durch die Gärung des Ausgangsmaterials. Beim Geist ist der Alkohol bereits vorhanden und nimmt die Aromen des Rohstoffs auf.

Der bekannteste Vertreter der Geiste ist der Gin.

Was ist ein Likör?

Beim Likör sieht die Sache noch einmal anders aus.

Ein Likör wird auf Basis von Alkohol beziehungsweise einer Spirituose hergestellt und anschließend aromatisiert und/oder gesüßt. Je nach Likör können dafür beispielsweise Früchte, Kräuter, Gewürze oder andere Zutaten verwendet werden.

Anders als bei Brand und Geist ist Zucker beim Likör ein wesentliches Merkmal.

Deshalb schmecken Liköre in der Regel deutlich süßer und haben häufig einen niedrigeren Alkoholgehalt als klassische Brände.

Vereinfacht kann man sagen:

Alkohol/Spirituose + Geschmack + Zucker → Likör

Die genaue Herstellung kann allerdings je nach Likör sehr unterschiedlich sein.

Brand, Geist und Likör im direkten Vergleich

Brand Geist Likör
Alkohol entsteht aus dem Rohstoff? Ja Nein Nein
Rohstoff wird vergoren? Ja Nein Nicht zwingend
Mazeration typisch? Nein Ja Möglich
Destillation? Ja Ja Nein
Zucker charakteristisch? Nein Nein Ja
Beispiel Obstbrand Himbeergeist Kräuter-/Fruchtlikör

Und was hat das mit Eicheln zu tun?

Genau dieser Unterschied war auch für uns entscheidend, als wir damals angefangen haben, Eicheln als Rohstoff für eine Spirituose zu testen.

Eine naheliegende Möglichkeit wäre gewesen, die Eicheln in Neutralalkohol einzulegen und ihre Aromen auf diese Weise zu extrahieren. Im iberischen Raum gibt es so etwas bereits unter dem Namen "Bellota". Leider werden dabei aber insbesondere die bitteren Noten der Eichel betont.

Wir wollten daher einen anderen Weg gehen.

Für OKEN werden die Eicheln verarbeitet und eingemaischt. Die Maische wird vergoren und anschließend destilliert. Der Alkohol wird also nicht einfach von außen hinzugegeben, um den Geschmack der Eicheln aufzunehmen.

Genau deshalb sprechen wir davon, dass OKEN aus Eicheln gebrannt wird.

Das Verfahren ist aufwendiger – aber es macht den Rohstoff zum eigentlichen Ausgangspunkt der Spirituose und nicht nur zu einem Aromageber.

Was ist nun besser: Brand, Geist oder Likör?

Keines der Verfahren ist grundsätzlich besser als das andere.

Sie verfolgen schlicht unterschiedliche Ziele.

Ein Geist kann hervorragend geeignet sein, um die feinen Aromen eines Rohstoffs einzufangen. Ein Brand lässt den Rohstoff bereits bei Gärung und Destillation eine zentrale Rolle spielen. Und ein Likör eröffnet durch Süße und weitere Zutaten wiederum ganz andere geschmackliche Möglichkeiten.

Wer verstehen möchte, was in einer Flasche steckt, sollte deshalb nicht nur auf Alkoholgehalt oder Farbe schauen.

Ein Blick auf die Herstellung verrät oft wesentlich mehr.

Kurz zusammengefasst

Brand: Der Rohstoff wird vergoren und anschließend destilliert.

Geist: Die Aromen des Rohstoffs werden mit vorhandenem Alkohol extrahiert und anschließend destilliert.

Likör: Eine gesüßte Spirituose, die auf unterschiedliche Weise aromatisiert werden kann.

Spirituose: Der Oberbegriff, unter den diese und viele weitere alkoholische Getränke fallen.

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